Spanische Regeln für Wohnmobilfahrer: Worauf muss ich achten?

Oktober, 26 2017 | Update: 16/06/2022

Spanien ist eines der beliebtesten Urlaubsländer für den Campingurlaub, doch was sind die Regeln für Wohnmobilfahrer in Spanien? Worauf müssen Sie achten, wenn Sie auf spanischen Straßen unterwegs sind? Welche Straßen sind mautpflichtig und wie schnell darf man in Spanien fahren? Seit März 2022 gilt in Spanien ein neues Verkehrsgesetz. Was hat sich geändert? Hier erfahren Sie es!

Neue Verkehrsregeln seit März 2022

  • Finger weg vom Smartphone: Ähnlich wie in den Niederlanden wird die Handynutzung beim Fahren in Spanien härter bestraft. Nutzen Sie beim Fahren das Smartphone, müssen Sie mit einem Bußgeld von 200 Euro rechnen. Halten Sie das Handy während der Fahrt in der Hand, können Sie 6 Punkte verlieren. (Zu Beginn haben Sie zwölf Punkte auf Ihrem Punktekonto.) Nutzen Sie das Smartphone, halten es jedoch nicht in der Hand, können Ihnen 3 Punkte abgezogen werden.
  •  Überholen Sie nicht zu schnell: Seit März 2022 ist es in Spanien verboten, das auf der Strecke geltende Tempolimit im Überholvorgang um 20 km/h zu überschreiten.
  • Beim Überholen von Radfahrern müssen Sie die Spur wechseln, falls es in beiden Richtungen mehrere Fahrspuren gibt.
  • Die Anschnall, Helm– oder Kindersitz-Pflicht in Spanien zu missachten kann Sie 4 Punkte kosten.

Maut in Spanien

Maut in Spanien

Ein Teil der AP 7 bei Malaga ist jetzt mautfrei.

Die Nutzung der meisten Straßen in Spanien ist kostenlos, nur auf einigen Autobahnen und Autovías wird eine Maut erhoben. Eine Autovía ist ausgestattet wie eine Autobahn, darf aber in vielen Fällen auch von landwirtschaftlichen Fahrzeugen und Radfahrern genutzt werden, falls es für sie keine alternative Straße gibt. Mautpflichtige Straßen in Spanien sind oft an den Buchstaben AP zu erkennen, mautfreie Autobahnen sind mit einem A gekennzeichnet.



Übernachten und Parken

Regeln für Wohnmobilfahrer in Spanien

Wie Wildcampen: Einfach einen kleinen und feinen Campingplatz wählen wie z.B. Camping La Fresneda in Aragonien. 

In Spanien ist es nicht gestattet, irgendwo „einfach so“ zu übernachten. Unter bestimmten Bedingungen ist Wildcampen an einigen Orten erlaubt und die Kontrollen sind sicherlich nicht überall gleich streng, aber im Prinzip darf ausschließlich auf speziell eingerichteten Plätzen wie Campingplätzen und beispielsweise bei Winzern oder auf Bauernhöfen übernachtet werden. In den spanischen Nationalparks ist Wildcampen grundsätzlich verboten.

Parken darf man mit dem Wohnmobil überall, sofern der Parkplatz für das Fahrzeug geeignet ist und kein Verbotsschild das Abstellen großer Fahrzeuge untersagt. In dem geparkten Camper darf gegessen, getrunken und sogar gekocht werden. Aber es ist nicht gestattet, den Parkplatz in einen „Campingplatz“ zu verwandeln. Das bedeutet, dass weder Tische noch Stühle vor dem Wohnmobil aufgestellt werden dürfen, die Markise und die Satellitenschüssel müssen eingeklappt bleiben.

Mit dem Wohnmobil über Berg und Tal

Regeln für Wohnmobilfahrer in Spanien

Unterwegs entlang der Serpentinen in den Bergen Spaniens

Spaniens Natur ist sehr vielfältig, sie reicht von den Stränden und Küsten bis hin zu urwüchsigen Gebirgen. Wer mit seinem Reisemobil in die Berge fährt, sollte wissen, dass für ihn zum Teil andere Verkehrsregeln gelten als für Pkw-Fahrer. Bei Steigungen von sieben Prozent und mehr hat der bergauf fahrende Verkehr immer Vorfahrt vor abwärts fahrenden Fahrzeugen (es sei denn, das bergauf fahrende Fahrzeug befindet sich nah an einer Ausweichstelle). Zudem ist es auf Bergstraßen vorgeschrieben, vor unübersichtlichen Kurven zu hupen.

In Regionen wie den Pyrenäen und der Sierra Nevada müssen Sie im Winter mit Schnee und Eis rechnen. Winterreifen sind in Spanien zwar nicht vorgeschrieben, aber bei winterlichen Wetterbedingungen sehr zu empfehlen. Schneeketten dürfen nur aufgezogen werden, wenn die Straßen mit Schnee oder Eis bedeckt sind. Ihr Einsatz ist jedoch vorgeschrieben, wenn Verkehrsschilder oder die Polizei es verlangen (die Höchstgeschwindigkeit mit Schneeketten beträgt 50 km/h). Falls Sie Spikereifen verwenden, dürfen die Stifte nicht mehr als zwei Millimeter aus der Lauffläche herausragen.

Tempolimit in Spanien

In Spanien fallen Wohnmobile bis 3,5 Tonnen unter die Fahrzeugkategorie 1 (M1); deshalb gelten für sie außerhalb geschlossener Ortschaften andere Geschwindigkeitsbegrenzungen als für Pkw. Ein Wohnmobil darf in Spanien nirgendwo schneller als 120 km/h fahren. Auf den Straßen in Spanien gelten die folgenden Höchstgeschwindigkeiten:

PKW und Motorräder:

  • Innerorts: 50 km/h
  • Außerorts: 90 km/h
  • Schnellstraßen: 100 km/h
  • Autobahnen und Autovías: 120 km/h

Wohnmobile bis 3,5 t:

  • Innerorts: 50 km/h
  • Außerorts: 80 km/h
  • Schnellstraßen: 90 km/h
  • Autobahnen und Autovías: 120 km/h

Wohnmobile über 3,5 t:

  • Innerorts: 50 km/h
  • Außerorts: 80 km/h
  • Schnellstraßen: 80 km/h
  • Autobahnen und Autovías: 90 km/h

  


Fahren mit Kindern

Kinder unter 1,35 Meter Körpergröße dürfen nur hinten im Fahrzeug sitzen. Kinder über 1,35 Meter dürfen wie Erwachsene vorne sitzen und den normalen Sicherheitsgurt verwenden. Allerdings gilt in Spanien die Empfehlung, auch Kinder bis zu einer Größe von etwa 1,50 Meter in einem zugelassenen, passenden Kindersitz oder auf einer zugelassenen Sitzerhöhung zu befördern.

Haustiere müssen entweder mit einem speziellen Hundegurt angeschnallt oder in einer Gitter- bzw. Transportbox transportiert werden (diese muss gut befestigt werden, damit sie bei einem abrupten Halt nicht durchs Fahrzeug fliegt). Während der Fahrt ist es – auch den mitreisenden Vierbeinern – nicht gestattet, im Reisemobil umherzugehen.

Weitere Regeln für Wohnmobilfahrer in Spanien

Zum Schluss noch einige nützliche Informationen und praktische Tipps für alle, die nach Spanien reisen:

  • In Spanien sind eine Reihe von Umweltzonen ausgewiesen, unter anderem in Madrid und Barcelona. Die Umweltzonen sind durch Schilder mit dem Text „Area de prioridad residencial“ gekennzeichnet. Die Umweltzonen sind ausschließlich Anwohnern und Besuchern mit einer speziellen Genehmigung vorbehalten. Fahren Sie also mit Ihrem Wohnmobil nicht in diese Zonen.
  • Verschiedene Tankstellen bieten in Spanien spezielle Serviceleistungen für Reisemobile an. Sie können zum Beispiel die Bordtoilette entsorgen, Frischwasser  tanken oder technische Hilfe bekommen.
  • Diesel (gasóleo) und Benzin (gasolina) sind an allen Tankstellen erhältlich, das Angebot von Autogas ist dagegen sehr begrenzt (die einzige Ausnahme bildet Madrid). Hier finden Sie eine Liste der LPG-Tankstellen in Spanien.
  • Ein Warndreieck, ein Ersatzlampen-Set und reflektierende Warnwesten sind für alle Insassen vorgeschrieben.
  • Beim Transport von Ladung und Fahrradträgern ist eine 50×50 Warntafel erforderlich.
  • In Spanien ist es nicht erlaubt, ausländische Gasflaschen zu befüllen. Im Idealfall kaufen Sie an einer spanischen Tankstelle eine Gasflasche mit Vertrag. Dann können Sie die Gasflasche in der Regel wieder befüllen lassen.

Welche Erfahrungen haben Sie im spanischen Straßenverkehr gemacht? Haben Sie Tipps oder Vorschläge für uns und andere Camper? 

  • Autor: Bram Kuhnen
  • Europäische Städte, touristische Strände und beeindruckende Landschaften und Natur. Als Europareisender war ich schon an vielen Orten und schreibe gerne darüber, um meiner Erfahrungen und Tipps weiterzugeben.

    16 Kommentare

  1. Hallo,
    ich habe eine Autogas-Gasflasche dabei, fällt die auch unter das Befüllverbot?

    Mit freundlichen Grüßen
    Peter

    • Hallo Peter,

      Vielen Dank für Ihre Antwort. Falls Sie ein gasbetriebenes Fahrzeug fahren, dann dürfen Sie es natürlich wie gewohnt betanken.
      Eine losen Tank (nicht zum Fahrzeugantrieb) aufzufüllen ist zwar offiziell verboten, wird in der Praxis dennoch meist an der Tankstelle vorgenommen.
      Beachten Sie aber, dass nicht jede Tankstelle in Spanien Flüssiggas anbietet.

      Als Alternative können Sie in Spanien eine Gasflasche mieten (z.B. bei Repsol). Sorgen Sie dann dafür, dass Sie dazu den richtigen Adapter besorgen.
      Ich hoffe diese Informationen helfen Ihnen weiter.

      Freundliche Grüße,
      Bram Kuhnen

  2. Sehr interessanter Bericht.

    • Mir brennt auch Eine frage unter den Nägel. Wir sind ebenfalls campervan Neulinge und wollen nach Weihnachten Richtung Süden fahren mit Kind und 4 Hunden. Nun hat mich eine Freundin gewarnt und gesagt auf den offiziellen Stellplätzen in den Ballungsräumen wäre es nicht sicher, und es sei üblich das immer einer am Auto bleiben muss um zu verhindern das das Auto aufgebrochen wird etc. Und die sogar von der Polizei aufgefordert wurden sich zum warten lieber wieder ins Auto zu setzen. Das sei sicherer. Wie sind eure Erfahrungen?

  3. Es ist nicht nur in Nationalparks verboten zu übernachten, sondern auch in jedem “ Parque Natural“.Kann sonst teuer werden.

  4. Unser Wohnmobil ist ein Pössl und auf einem Fiat Ducato Lieferwagen aufgebaut. Sieht aus wie Lieferwagen, unter 3,5 to. Bin schockiert, dass wir diese Geschwindigkeitsbeschränkungen haben sollen, max. 100 auch auf Autobahnen, ist das wirklich zutreffend? Mein Mann ist immer mindestens 130 gefahren.

  5. Gelten die Geschwindigkeitsrelgeln auch für VW-Bus-Größe mit Hubdach?

    • Wenn unsere Informationen stimmen, gelten für einen VW-Bus mit Hubdach dieselben Gescchwindigkeitsbregeln wie für Autos.
      Viele Grüße

  6. Ich wohne in Spanien und kann dies berichten:

    Die angegebenen Geschwindigkeits-Limits für Spanien stimmen nicht oder nicht mehr. 2018 wurden neue Regeln von der Regierung beschlossen, die ab 1. Januar 2019 gelten (Reglamento General de Circulación).

    PKWs (turismos), Motorräder (motocicletas), autocaravanas hasta/bis 3.500 Kg (wie z.B. Camper Vans) y pick-ups:
    – En autopistas y autovías (Autobahnen): 120 Km/h
    – En carreteras convencionales (Bundesstrassen): 90 Km/h
    (war bis 2018 = 100)

    Auch noch ein Hinweis bzgl. Unterschiede zwischen autovías und autopistas:
    Viele sind der Meinung, dass die autovias gratis sind und die autopistas bezahlt werden müssen. Dies ist jedoch nicht immer der Fall.
    Es stimmt, dass die autovías immer der Öffentlichkeit zugänglich sind und dass sie niemals eine Maut verlangen können. Bei autopistas gibt es jedoch solche, bei denen man bezahlen muss und andere wiederum, die keine Maut verlangen!

    Die autovías werden immer entweder vom Staat oder von einer autonomen Gemeinschaft verwaltet.

    Bei den Mautstraßen handelt es sich dagegen um private Konzessionen. Die Verwaltungsgesellschaft kann jedoch beschließen, den Fahrern eine Maut aufzuerlegen oder einen freien Zugang zu gewähren – das dann vom Staat übernommen/bezahlt wird (Maut = Peaje.

    Sakudos, Hardy

    Fazit: Auch autopistas können gratis sein!!

    • Hallo!
      Vielen Dank für diese Reaktion. Das ist wirklich hilfreiche Information.
      Viele Grüße

  7. Hallo
    Wir sind Camperneulinge und wollen im November mit dem Womo nach Spanien. Hier die Frage,
    Muss ich mich vorher um Vingetten kümmern oder bar am Häuschen bezahlen.
    Lg

    • Hallo Herr Siemoneit,
      Sie müssen sich nicht vorher um die Vignetten kümmern, sondern können einfach in bar oder mit Karte an den Mautstationen bezahlen.
      Viele Grüße

  8. Interessant zu wissen, dass ein Wohnmobil in Spanien an keinem Ort schneller als 100 km/h fahren darf. Mein Onkel ist ein großer Fan des Campings und stolzer Eigentümer eines Campingvans. Er übt sein Hobby auch während der Pandemie aus, da es mit keinem intensiven Kontakt mit Menschen einhergeht.

    • Das stimmt, mit dem Wohnwagen, Wohnmobil oder Van ist man autark und in der freien Natur unterwegs – eigentlich ideal!
      Viele Grüße!

  9. Vielen Dank für den Beitrag zu den spanischen Regeln für Wohnmobilfahrer. Mein Bruder fährt mit seinen drei Kindern in den Urlaub und informiert sich zu den möglichen LED-Vorwarntafeln, die es zu beachten gilt. Gut zu wissen, dass in Spanien andere Geschwindigkeitsbegrenzungen gelten, als für normale PKW.

  10. Wir wollen zum ersten Mal nach Spanien fahren und wollten gerne wissen, wo oder wie bekomme ich eine Gasflasche in Spanien.
    Finde den Bericht sehr gut.
    Mit freundlichen Grüßen
    E. Hoffmann

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