Spanische Regeln für Wohnmobilfahrer: Worauf muss ich achten?

Die spanischen Costas, spanische Städte wie Madrid*, Valencia* und Barcelona*, das mediterrane Klima oder die Natur im Inland: Jeder hat seine eigenen Gründe, nach Spanien* zu fahren, und jedes Jahr machen sich Tausende Europäer mit dem Reisemobil in dieses schöne Urlaubsland auf. Aber welche Verkehrsregeln gelten in Spanien? Worauf muss man achten, wenn man auf spanischen Straßen unterwegs ist? Was ist mit dem Wohnmobil erlaubt und was nicht?

Verkehrsregeln in Spanien

Die Grundregeln entsprechen in Spanien den europäischen Standardverkehrsregeln. Man fährt rechts, muss links überholen und als Vorfahrtsregel gilt „rechts vor links“, außer im Kreisverkehr. Die Nutzung der meisten Straßen in Spanien ist kostenlos, nur auf einigen Autobahnen und Autovías wird eine Maut erhoben. Eine Autovía ist ausgestattet wie eine Autobahn, darf aber in vielen Fällen auch von landwirtschaftlichen Fahrzeugen und Radfahrern genutzt werden, wenn es für sie keine alternative Straße gibt. Mautpflichtige Straßen in Spanien sind an den Buchstaben AP zu erkennen, mautfreie Autobahnen sind mit einem A gekennzeichnet.

Übernachten und Parken

In Spanien ist es nicht gestattet, irgendwo „einfach so“ zu übernachten. Unter bestimmten Bedingungen ist Wildcampen an einigen Orten erlaubt und die Kontrollen sind sicherlich nicht überall gleich streng, aber im Prinzip darf ausschließlich auf speziell für Wohnmobile eingerichteten Parkplätzen, auf Campingplätzen und beispielsweise bei Winzern oder auf Bauernhöfen übernachtet werden. In den spanischen Nationalparks ist Wildcampen grundsätzlich verboten.

Parken darf man mit dem Wohnmobil überall, wenn der Parkplatz für das Fahrzeug geeignet ist und kein Verbotsschild das Abstellen großer Fahrzeuge untersagt. In dem geparkten Camper darf gegessen und getrunken (sogar gekocht) werden, aber es ist nicht gestattet, den Parkplatz in einen „Campingplatz“ zu verwandeln. Das bedeutet, dass weder Tische noch Stühle vor dem Camper aufgestellt werden dürfen, das Sonnendach und die Fernsehschüssel müssen eingeklappt bleiben. Auch hier gilt, dass die Einhaltung dieser Vorschriften nicht überall in Spanien gleichermaßen streng kontrolliert wird.

Rijden met de camper door de Spaanse bergen

Über Berg und Tal

Spaniens Natur ist sehr vielfältig, sie reicht von touristischen Stränden bis hin zu urwüchsigen Gebirgen. Wer mit seinem Reisemobil in bergiges Gelände fährt, sollte wissen, dass für ihn zum Teil andere Verkehrsregeln gelten als für Pkw-Fahrer. Bei Steigungen von sieben Prozent und mehr hat der bergauf fahrende Verkehr immer Vorfahrt vor abwärts fahrenden Fahrzeugen (es sei denn, das bergauf fahrende Fahrzeug befindet sich nah an einer Ausweichstelle). Zudem ist es auf Bergstraßen vorgeschrieben, vor unübersichtlichen Kurven zu hupen.

In Regionen wie den Pyrenäen und der Sierra Nevada ist mit Schnee und Eis zu rechnen. Winterreifen sind in Spanien nicht vorgeschrieben, aber bei winterlichen Wetterbedingungen, wie sie in den Bergregionen vorkommen können, werden sie selbstverständlich empfohlen. Schneeketten dürfen nur dann aufgezogen werden, wenn die Straßen mit Schnee oder Eis bedeckt sind. Dann jedoch ist ihr Einsatz sogar vorgeschrieben, wenn Verkehrsschilder oder die Polizei es verlangen (die Höchstgeschwindigkeit mit Schneeketten beträgt 50 km/h). Wenn Spikereifen verwendet werden, dürfen die Stifte nicht mehr als zwei Millimeter aus der Lauffläche herausragen.

Geschwindigkeit

In Spanien fallen Wohnmobile (< 3500 kg) unter die Fahrzeugkategorie 1 (M1); deshalb gelten für sie außerhalb geschlossener Ortschaften andere Geschwindigkeitsbegrenzungen als für Pkw. Ein Wohnmobil darf in Spanien nirgendwo schneller als 100 km/h fahren. Auf den Straßen in Spanien gelten die folgenden Höchstgeschwindigkeiten:

  • PKW und Motorräder:
    • innerhalb geschlossener Ortschaften: 50 km/h
    • außerhalb geschlossener Ortschaften: 90 km/h
    • Schnellstraßen: 100 km/h
    • Autobahnen und Autovías: 120 km/h
  • Wohnmobile < 3500 kg:
    • innerhalb geschlossener Ortschaften: 50 km/h
    • außerhalb geschlossener Ortschaften: 80 km/h
    • Schnellstraßen: 90 km/h
    • Autobahnen und Autovías: 100 km/h
  • Wohnmobile > 3500 kg:
    • innerhalb geschlossener Ortschaften: 50 km/h
    • außerhalb geschlossener Ortschaften: 80 km/h
    • Schnellstraßen: 80 km/h
    • Autobahnen und Autovías: 90 km/h

Sicherheitsgurt anlegen

Anschnallen muss sich in Spanien jeder: der Fahrer, der Beifahrer und alle übrigen Insassen eines Fahrzeugs. Kinder unter 1,35 m Körpergröße dürfen nicht vorne sitzen. Sie dürfen nur hinten im Fahrzeug (in einem zugelassenen, passenden Kindersitz) befördert werden. Kinder über 1,35 m dürfen wie Erwachsene vorne sitzen und den normalen Sicherheitsgurt verwenden. Allerdings gilt in Spanien die Empfehlung, auch Kinder bis zu einer Größe von etwa 1,50 m in einem zugelassenen, passenden Kindersitz oder auf einer zugelassenen Sitzerhöhung zu befördern. Haustiere müssen entweder mit einem speziellen Hundegurt angeschnallt oder in einer Gitter- bzw. Transportbox transportiert werden (diese muss ihrerseits ebenfalls befestigt werden, damit sie bei einem abrupten Halt nicht durchs Fahrzeug fliegt). Während der Fahrt ist es – auch den mitreisenden Vierbeinern – nicht gestattet, im Reisemobil umherzugehen.

Gut zu wissen

Zum Schluss noch einige nützliche Informationen und praktische Tipps für alle, die nach Spanien reisen:

  • In Spanien sind eine Reihe von Umweltzonen ausgewiesen (u.a. in Madrid und Barcelona), in denen nur Anwohner mit ihren Autos zugelassen sind. Diese Areale sind durch Schilder mit dem Text Area de prioridad residencial gekennzeichnet. Die Umweltzonen sind ausschließlich Anwohnern und Besuchern mit einer speziellen Genehmigung vorbehalten. Fahren Sie also mit Ihrem Camper nicht durch diese Zonen!
  • Verschiedene Tankstellen bieten in Spanien spezielle Serviceleistungen für Reisemobile an, wie das Entsorgen der Bordtoilette, das Tanken von Frischwasser und technische Hilfe.
  • Diesel (gasóleo) und Benzin (gasolina) sind an allen Tankstellen erhältlich, das Angebot von Autogas ist dagegen sehr begrenzt (die einzige Ausnahme bildet Madrid). Hier finden Sie eine Liste der LPG-Tankstellen in Spanien.
  • Ein Warndreieck, ein Ersatzlampen-Set und reflektierende Warnwesten (für alle Insassen) sind Vorschrift. Achten Sie darauf, dass Sie alles dabei haben!
  • Beim Transport von Ladung (auch von Fahrrädern) ist ein Warnschild erforderlich.
  • Brille tragende Fahrer sind verpflichtet, eine Ersatzbrille mitzuführen.
  • In Spanien ist es nicht erlaubt, ausländische Gasflaschen zu befüllen. Erkundigen Sie sich also vor der Reise, wo Gasflaschen erhältlich sind und welche Vorschriften genau gelten.

Welche Erfahrungen haben Sie im spanischen Straßenverkehr gemacht? Haben Sie Tipps oder Vorschläge für andere? Schreiben Sie Ihre Antwort unter diesen Bericht.

Wie wäre es mit einer Campingreise durch Katalonien? Oder lieber Campingurlaub in Spanien im Spätsommer?

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Bram Kuhnen
  • Autor: Bram Kuhnen
  • Bram reist mit Begeisterung durch Europa: Städte, Strände und beeindruckende Landschaften und Natur – Bram ist schon weit herum gekommen und teilt gerne seine Tipps und Erfahrungen mit uns.

    9 Kommentare

  1. Avatar

    Hallo,
    ich habe eine Autogas-Gasflasche dabei, fällt die auch unter das Befüllverbot?

    Mit freundlichen Grüßen
    Peter

    • Bram Kuhnen

      Hallo Peter,

      Vielen Dank für Ihre Antwort. Falls Sie ein gasbetriebenes Fahrzeug fahren, dann dürfen Sie es natürlich wie gewohnt betanken.
      Eine losen Tank (nicht zum Fahrzeugantrieb) aufzufüllen ist zwar offiziell verboten, wird in der Praxis dennoch meist an der Tankstelle vorgenommen.
      Beachten Sie aber, dass nicht jede Tankstelle in Spanien Flüssiggas anbietet.

      Als Alternative können Sie in Spanien eine Gasflasche mieten (z.B. bei Repsol). Sorgen Sie dann dafür, dass Sie dazu den richtigen Adapter besorgen.
      Ich hoffe diese Informationen helfen Ihnen weiter.

      Freundliche Grüße,
      Bram Kuhnen

  2. Avatar

    Sehr interessanter Bericht.

  3. Avatar

    Es ist nicht nur in Nationalparks verboten zu übernachten, sondern auch in jedem “ Parque Natural“.Kann sonst teuer werden.

  4. Avatar

    Unser Wohnmobil ist ein Pössl und auf einem Fiat Ducato Lieferwagen aufgebaut. Sieht aus wie Lieferwagen, unter 3,5 to. Bin schockiert, dass wir diese Geschwindigkeitsbeschränkungen haben sollen, max. 100 auch auf Autobahnen, ist das wirklich zutreffend? Mein Mann ist immer mindestens 130 gefahren.

  5. Avatar

    Gelten die Geschwindigkeitsrelgeln auch für VW-Bus-Größe mit Hubdach?

    • Madita Weiß

      Wenn unsere Informationen stimmen, gelten für einen VW-Bus mit Hubdach dieselben Gescchwindigkeitsbregeln wie für Autos.
      Viele Grüße

  6. Avatar

    Ich wohne in Spanien und kann dies berichten:

    Die angegebenen Geschwindigkeits-Limits für Spanien stimmen nicht oder nicht mehr. 2018 wurden neue Regeln von der Regierung beschlossen, die ab 1. Januar 2019 gelten (Reglamento General de Circulación).

    PKWs (turismos), Motorräder (motocicletas), autocaravanas hasta/bis 3.500 Kg (wie z.B. Camper Vans) y pick-ups:
    – En autopistas y autovías (Autobahnen): 120 Km/h
    – En carreteras convencionales (Bundesstrassen): 90 Km/h
    (war bis 2018 = 100)

    Auch noch ein Hinweis bzgl. Unterschiede zwischen autovías und autopistas:
    Viele sind der Meinung, dass die autovias gratis sind und die autopistas bezahlt werden müssen. Dies ist jedoch nicht immer der Fall.
    Es stimmt, dass die autovías immer der Öffentlichkeit zugänglich sind und dass sie niemals eine Maut verlangen können. Bei autopistas gibt es jedoch solche, bei denen man bezahlen muss und andere wiederum, die keine Maut verlangen!

    Die autovías werden immer entweder vom Staat oder von einer autonomen Gemeinschaft verwaltet.

    Bei den Mautstraßen handelt es sich dagegen um private Konzessionen. Die Verwaltungsgesellschaft kann jedoch beschließen, den Fahrern eine Maut aufzuerlegen oder einen freien Zugang zu gewähren – das dann vom Staat übernommen/bezahlt wird (Maut = Peaje.

    Sakudos, Hardy

    Fazit: Auch autopistas können gratis sein!!

    • Madita Weiß

      Hallo!
      Vielen Dank für diese Reaktion. Das ist wirklich hilfreiche Information.
      Viele Grüße

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